
Mit freundlicher Genehmigung
von Dr. S. Nawrath, Universität Frankfurt/M.
Synonyme:
Beifuß-Ambrosie,
Beifußblättrige Ambrosie, Ambrosia, Traubenkraut, Amerikanisches Traubenkraut,
Ragweed
Wissenschaftliche Synonyme: Ambrosia elatior L.
Merkmale der
Beifuß-Ambrosie
Die
Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia)
gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie breitet sich als einjährige
Art über Samen aus und kann bis zu 2,00 m groß werden. Nach unseren
Beobachtungen bleibt die Art in Deutschland meist kleiner. Die Wuchshöhe
variiert je nach Standortbedingungen: auf sehr mageren und/oder trockenen
Standorten bleibt die Beifuß-Ambrosie oft klein (ca. 0,1 m), auf
nährstoffreichen und gut mit Wasser versorgten Böden wächst sie hingegen üppig.
Entwicklung
Eigene
Untersuchungen zum Wachstumsverlauf von A. artemisiifolia,
die in einem Versuchsbeet im Botanischen Garten der Universität Frankfurt
zwischen März und August 2005 durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass sich die
Beifuß-Ambrosie im Frühjahr sehr langsam entwickelte. Die Hauptwachstumszeit
setzte erst Mitte/Ende Juni ein. Dann entwickelten sich die Pflanzen rasch und
bildeten meist bis Anfang August Blüten aus
Blütenstände
Die Sprosse der
Beifuß-Ambrosie sind verzweigt oder unverzweigt und tragen Blätter, die bis zu
dreifach gefiedert sind. Die Blüten sind getrennt geschlechtlich. Männliche
Blüten-Köpfe, die 10 bis 100 (200) Blüten enthalten, entwickeln sich am Ende der
Sprossachse oder der Seitenzweige und sind hier traubig angeordnet. Daher rührt
auch der deutsche Name „Traubenkraut“, der von einigen Autoren verwendet wird.
Die Hüllblätter sind zu einem Trichter verwachsen, der die Blüten umgibt. Als
windblütige Art produziert die Beifuß-Ambrosie eine große Menge an Pollen.
Weibliche Blüten-Köpfe sind einblütig, sitzend und befinden sich am Grund des
männlichen Blütenstandes oder in den Achseln der oberen Blätter. Die
Beifuß-Ambrosie ist eine Kurztagspflanze und blüht erst relativ spät im Jahr.
Die Hauptblütezeit liegt zwischen August und Oktober, einzelne Pflanzen beginnen
aber bereits im Juli zu blühen. Bei manchen, vor allem gemähten, Pflanzen wurden
Blüten bis zum ersten Frost im November beobachtet.
Früchte
Die Frucht (Achäne)
ist etwa 2,5 mm breit, 3,5 mm lang und im oberen Bereich etwa 2 mm ausgezogen.
Sie enthält einen einzigen Samen. Bei einer großen Pflanze wurden bis zu 62.000
Samen nachgewiesen, eine durchschnittlich große Pflanze produziert ca. 3000 bis
4000 Samen. Die Samen der Beifuß-Ambrosie sind sehr lange im Boden lebensfähig
und können nach 39 Jahren noch keimen. Die Art ist in ihrer Wuchsgröße,
Blattmorphologie und Behaarung sehr variabel.
Wuchsbedingungen
Die
Beifuß-Ambrosie ist eine licht- und wärmeliebende Pflanze, die zugleich auch
ausreichende Niederschläge im Sommer benötigt. Daher fehlt sie im
sommertrockenen Mittelmeerraum und in den Alpen. Entlang von Straßenrändern kann
sie auch in trockenere Gebiete vordringen, da diese Standorte durch die
Wassersammelfunktion der Straßenfläche besser mit Wasser versorgt sind. Sie
benötigt zur Entwicklung und Fruchtreife eine ausreichend lange
Vegetationsperiode. Als konkurrenzschwache Ruderalart benötigt sie für die
Keimung offene Bodenflächen. Ihre bevorzugten Lebensräume sind Straßenbankette/ränder,
Ruderalstandorte (Schutthalden, Mülldeponien), Industriegelände, Hausgärten,
Vogelfutterplätze, Äcker
Verwechslungsmöglichkeiten
Die
Beifuß-Ambrosie ist eine unauffällige Pflanzenart, die habituell dem Gemeinen
Beifuß (Artemisia vulgaris) ähnelt (Name!). Verwechselungsmöglichkeiten bestehen aber
primär mit zwei ebenfalls durch den Menschen ausgebreitete Pflanzenarten: die
Stauden-Ambrosie (Ambrosia coronopifolia) und den Einjährigen Beifuß (Artemisia
annua). Die Stauden-Ambrosie ist im Gegensatz zur Beifuß-Ambrosie mehrjährig und
bildet horizontal verlaufende Wurzeln und Wurzelsprosse. Ihre Sprosslänge ist
meist kleiner als die von A. artemisiifolia
und ihre Blätter sind in der Regel weniger stark
gefiedert. Der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) wird bis 1,50 m groß und hat
2 bis 3-fach gefiederte Blätter. Die Pflanze hat einen sehr intensiven
aromatischen Geruch, im Gegensatz zur Beifuß-Ambrosie gelbe Röhrenblüten und ist
weich behaart.
Wachstumsverhalten
Die Gattung
Ambrosia ist überwiegend in Nord-, Mittel- und Südamerika beheimatet. Sie
umfasst etwa 40 Arten, von denen einige Vertreter synanthrop (durch den
Menschen) in Europa ausgebreitet wurden. Die sieben nachfolgend genannten
Ambrosia-Arten kommen bzw. kamen in Deutschland vor:
Ambrosia artemisiifolia,
A. coronopifolia, A. trifida,
A. bidentata, A. aptera,
A. polystachya und
A. tenuifolia. A. artemisiifolia tritt von den genannten Arten mit Abstand am häufigsten in Deutschland
auf, gefolgt von A. coronopifolia und
A. trifida. A. aptera
und A. tenuifolia kommen unbeständig in Baden-Württemberg vor. Da viele der in
der Literatur aufgeführten Fundangaben sehr alt sind, treten möglicherweise
nicht mehr alle genannten Arten aktuell in Deutschland auf. Das Vorkommen der im
Mittelmeergebiet beheimateten
Ambrosia maritima in
Deutschland ist fraglich.
Verbreitung in Deutschland
Der derzeitige
Kenntnisstand zur Verbreitung und Etablierung der Beifuß-Ambrosie in Deutschland
ist noch sehr lückenhaft. Zwar liegen Verbreitungskarten auf Rasterebene mit
recht zahlreichen Nachweisen vor (z.B. Bundesamt für Naturschutz 2005), doch ist
deren Aussagekraft aufgrund oftmals fehlender Angaben über Bestandesgröße,
Status, Expansivität und Erhebungszeitpunkt sehr eingeschränkt. Die meisten
Fundangaben beruhen vermutlich auf unbeständigen Vorkommen, die auf Vogelfutter
zurückgehen.
Gesicherte Nachweise für große, d. h. viele Tausend Individuen umfassende
Bestände der Beifuß-Ambrosie liegen bislang aus dem süd- und ostdeutschen Raum
vor. Nach unseren bisherigen Untersuchungen kommt die Beifuß-Ambrosie im Raum
Frankfurt/Wiesbaden/Mainz/Darmstadt wie auch im Raum Mannheim/Ludwigshafen und
im Landkreis Karlsruhe vor und wächst hier in erster Linie auf Industriebrachen,
in Gärten, in und um Neubausiedlungen, an Straßen- und Wegrändern, im Wald und
an Waldwegen, entlang von Bahnlinien sowie in Hafenanlagen. In diesen Regionen
sind die stärksten Bestände zu finden und war in den letzten Jahren eine teils
deutliche Ausbreitung zu verzeichnen. J. Nitzsche und D. Brandes berichteten bei
einem Vortrag im November 2005 in der Universität Braunschweig von großen
Beständen der Beifuß-Ambrosie im Raum Cottbus. P. Sturm (2005 per e-mail) und W.
Joswig (2005 per e-mail) beschreiben große Bestände der Art aus den letzen
Jahren aus Niederbayern z. B. im Raum Laufen und bei Daßfeld. Am letzt genannten
Ort wurde Ambrosia bereits bekämpft (Zahlheimer 2005). Es ist davon auszugehen,
das es noch erheblich mehr bislang unentdeckte Vorkommen gibt!
Wertvolle Hinweise auf Ambrosia-Bestände liefern auch Pollenmessungen, die die
Pollen der Beifuß-Ambrosie erfassen. Das Pollenmessnetz für Ambrosia-Pollen ist
in Deutschland bislang noch sehr grobmaschig und es liegen derzeit für die
einzelnen Messstationen, die Pollen der Art in den letzten Jahren erfasst haben,
unterschiedlich viele Daten vor. Dennoch liefern die Daten auch heute schon
wichtige Hinweise auf größere Bestände der Art, denen durch weitere Recherchen
nachgegangen werden sollte.
Quellen und Links
Bundesamt für
Naturschutz: Daten und Informationen zu Wildpflanzen und zur Vegetation
Deutschlands.
www.Floraweb.de
Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst
www.pollenstiftung.de