Allergien gegen Haustiere:
Dank neuer Behandlungsmöglichkeiten können Tiere behalten werden
Katzen, Hunde, Pferde, Meerschweinchen etc.: Irgendwann wünscht sich wahrscheinlich jedes Kind ein Haustier, möchte Reiten oder hat anderweitigen Kontakt mit Tieren. Was aber tun, wenn eine Allergie gegen Tierhaare besteht und ein Tier angeschafft werden soll? Oder schlimmer noch: wenn eine Allergie gegen ein langjährig liebgewonnenes Haustier entwickelt wird?
Bislang waren die Empfehlungen der allergologischen Experten relativ eindeutig: „Shoot the Cat“ sagen die Amerikaner etwas rabiat zum bislang allgemein empfohlenen Vorgehen, in diesen Fällen Haustiere konsequent abzuschaffen. Glücklicherweise gibt es hier heute sehr effektive Behandlungmöglichkeiten, die es in den meisten Fällen erlauben, die Tiere zu behalten.
Haustierallergien am Beispiel der Katzen-Allergie
Katzen erfreuen sich großer Beliebtheit und spielen in Deutschland als Haustiere eine wichtige Rolle: 15 % aller Haushalte haben eine Katze. Insgesamt werden ca 8 Mio. Katzen als Haustiere gehalten, europaweit sind es sogar ca. 33 Mio. in 21 % aller Haushalte. Untersuchungen zeigen, daß bis zu 10 % der Bevölkerung an einer Katzenhaarallergie leiden. Es scheint einleuchtend zu sein, daß das Halten einer Katze mit einer größeren Allergenexposition und damit einem größeren Risiko, eine Allergie zu entwickeln, verbunden ist.
Erstaunlicherweise haben aber auch gut die Hälfte aller Katzenallergiker nie eine eigene Katze gehalten! Der Grund hierfür ist heute weitgehend erforscht: Katzenallergene sind so aggressiv und verteilen sich so gut in der Atemluft, dass schon geringer Allergenkontakt zum Beispiel in der Nachbarschaft oder im Freundeskreis, aber auch unbewusster Katzenallergenkontakt beispielsweise durch die Kleidung von Katzenhaltern für die Entwicklung einer Allergie ausreicht. Besteht erst einmal eine Allergie gegen Katzenhaare, kommt es häufig aufgrund der weiten Verbreitung zu ganzjährigen Beschwerden unabhängig von der Katzenhaltung.
Vorkommen von Katzenhaarallergen:
Die Hauptallergenquelle ist der Speichel der Katzen, wobei durch Belecken des Felles eine Verteilung der Allergene stattfindet. Die Menge an produziertem Allergen unterliegt Schwankungen: Nicht jede Katze produziert immer gleich viel Allergen. Insgesamt scheinen Kater mehr Allergen freizusetzen als weibliche Katzen. In den Wintermonaten ist die Allergenbelastung in Haushalten mit Katzenhaltung am höchsten. Aber auch in Haushalten ohne Katzen wurde Katzenallergene in bedeutsamen Mengen nachgewiesen; aufgrund ihrer guten Schwebeeigenschaften wird es zum Beispiel mit der Kleidung dorthin verschleppt. So ist es bekannt, dass die Menge an Katzenhaarallergen in der Raumluft um ein vielfaches ansteigt, wenn eine Person, die eine Katze als Haustier hält, einen Raum betritt. Auch wissen wir heute, dass es für die Auslösung von Beschwerden bei vielen Katzenallergikern ausreicht, im Kino, in der Schule, im Restaurant oder an vielen anderen Stellen mit dem Allergen in Kontakt zu kommen, ohne selbst eine Katze daheim zu haben!
Mögliche Beschwerden durch Tierhaarallergene
Da die Allergene vieler Tiere sehr leicht sind und noch Stunden nach ihrer Freisetzung in der Luft schweben, werden sie eingeatmet und können so Beschwerden im Bereich der Schleimhäute verursachen. Die Augen fangen an zu tränen und zu jucken; es kann sich eine Bindehautentzündung entwickeln. Die Nase kribbelt, es kann zu Schnupfen und Niesanfällen kommen. Sind die Bronchien betroffen, kann es zu Husten oder sogar zu Atemnot kommen. Durch Berühren des Tieres können Juckreiz und Hautveränderungen mit Quaddel- bzw. Ekzembildung ausgelöst werden.
Möglichkeiten der Behandlung von Tierhaarallergien
Früher galt das Abschaffen des Haustieres neben einer lebenslangen Medikamenteneinnahme als einzige Möglichkeit der Behandlung.
Die Hyposensibilisierung oder spezifische Immuntherapie nutzt die natürliche Eigenschaft des Immunsystems, auf alle Allergene, die in einer ganz bestimmten Weise präsentiert werden, eine Toleranz zu entwickeln. Sie ist besonders geeignet zur Behandlung von Beschwerden und zur Vorbeugung einer Asthma-Entstehung (auch bei Kindern!).
Das Zentrum für Allergologie in Wiesbaden bietet derzeit im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung einem begrenzten Kreis von Patienten diese Behandlung kostenlos an. Eine Besonderheit ist hierbei sicherlich, dass für diese Behandlung das Haustier nicht abgeschafft werden muss!
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